Ästhetik und Philosophie der Figurentheaterstücke

am Beispiel von Onkel Poppoff

Schön einfach einfach schön!

Die Inszenierung bedient sich möglichst einfacher Mittel. Alle Figuren sind aus alltäglichen Gegenständen gestaltet. Onkel Poppoff besteht aus einem Apfel mit einer Ping-Pong-Ball-Nase, der Schnabel des Kleibers ist eine Gurkenzange und die sieben unendlich schönen Prinzessinnen sind lauter kleine Teelöffel. Die Puppenspieler verstecken sich nicht, sondern führen ihre Figuren in offener Spielweise. Ein Stock mit einer schwarze Schabracke wird auf Bauchnabelhöhe befestigt und die Bühne steht. Ein Bühnenbild braucht es gar nicht, oder wird nur mit farbigen Tüchern für eine Wiese oder einen Fluss oder durch einen Zollstocks als Fensterrahmen angedeutet.

Geben Sie Ihrer Phantasie freien Raum!

Die Einfachheit des Materials hat zwei Gründe. Zum Einen sollen damit die zuschauenden Kinder eingeladen werden ihre Phantasie spielen zu lassen und zum Anderen der Impuls unterstützt werden, diese oder andere Geschichten mit dem nachzuspielen, was man zu Hause findet. Die Fähigkeit in einem Stück Holz einmal ein Schiff, einmal ein Flugzeug und ein drittes Mal einen Ritter zu sehen ist uns auch im Zeitalter interaktiver Computerspiele immer noch gegeben. Und es ist immer wieder erstaunlich wie viel Charakter eine Salatgabel haben kann! (Sie ist leider ein bisschen feige.)

Die Reduktion und Stilisierung von Bühne und Bühnengeschehen ist allerdings keine allein für Kinder entwickelte Ästhetik, sondern findet sich auch in den letzten Inszenierungen von Holger Ptacek wieder. Die Reduktion auf das Wesentliche und die Konzentration auf den Text findet sich ebenso in der professionellen Produktion "Halbe Wahrheiten" (2004) am Theater...UNDSOFORT, wie in dem mit Laien inszenierten Stück "Gefährliche Liebschaften" (2002/03) und ganz besonders in der Ästhetik von "Der König stirbt" (1999), für die Kostüme und Masken der Peking Oper Vorlage waren.